Die meisten KMU, die ich kenne, haben keine Keyword-Strategie. Sie haben eine Website — manchmal sogar eine gute — aber sie wissen nicht, für welche Suchanfragen sie eigentlich sichtbar sein wollen. Das Ergebnis: Google zeigt sie für Begriffe, aus denen kein Auftrag wird, oder gar nicht.
Dabei ist Keyword-Recherche kein Hexenwerk. Für ein lokales Unternehmen mit klarem Angebotsfokus braucht es keine teure Software und kein SEO-Studium. Es braucht ein strukturiertes Vorgehen, zwei kostenlose Tools — und die Bereitschaft, zwei bis drei Stunden in die Grundlage zu investieren, die über Rankings der nächsten zwei Jahre entscheidet.
Was ein gutes Keyword für KMU ausmacht
Nicht jedes Keyword ist gleich viel wert. Die meisten KMU denken zuerst in Hauptbegriffen: „Elektriker", „Zahnarzt", „Webdesign". Das sind sogenannte Short-tail-Keywords — kurz, hohe Suchvolumen, aber auch hoher Wettbewerb und diffuse Suchabsicht. Wer „Elektriker" googelt, sucht vielleicht einen Handwerker — oder einen Wikipedia-Artikel über den Beruf, oder eine Stellenbörse.
Ein gutes Keyword für ein lokales KMU erfüllt drei Bedingungen gleichzeitig:
- Klare Suchabsicht — der Nutzer will genau das, was du anbietest: beauftragen, buchen, anfragen
- Lokaler oder spezifischer Bezug — die Konkurrenz ist überschaubar, der Treffer realistisch
- Ausreichendes Suchvolumen — nicht null, aber auch keine 100.000/Monat, denn dann ist die Konkurrenz fast immer zu groß
Die klassische Formel: [Leistung] + [Ort] oder [Problem] + [Lösung] + [Ort]. „Elektriker Hildesheim" ist besser als „Elektriker". „Heizungsreparatur Notdienst Hannover" ist besser als „Heizung reparieren".
Die drei Keyword-Typen, die für KMU zählen
Transaktionale Keywords
Der Nutzer will etwas tun — beauftragen, kaufen, buchen. Das sind die wertvollsten Keywords, weil sie die höchste Kaufabsicht haben. Erkennbar an Formulierungen wie „beauftragen", „buchen", „kaufen", „Angebot anfragen", „Kosten", „Preise", „Notdienst".
Beispiele: „Zahnarzt Termin buchen Hannover", „Webdesign Agentur Hildesheim Kosten", „Elektriker 24h Notdienst Göttingen".
Informationelle Keywords
Der Nutzer will etwas verstehen. Diese Keywords konvertieren schlechter, sind aber gut für Sichtbarkeit und Vertrauen — besonders wenn du ohnehin FAQ-Seiten oder Blogartikel planst.
Beispiele: „Was kostet ein Zahnimplantat 2026", „Wärmepumpe oder Gasheizung — was lohnt sich", „Barrierefreiheit Website Pflicht ab 2025".
Lokale Keywords
Jede Suchanfrage mit explizitem Stadtbezug — oder implizit lokal durch „in der Nähe". Google erkennt den Standort des Nutzers und bevorzugt lokale Ergebnisse für Dienstleistungs-Keywords auch ohne explizites Orts-Keyword.
46 %
Google-Suchen haben lokalen Bezug
Google Search Central 2025
70 %
organischer Traffic über Long-tail-Keywords
Backlinko SEO-Studie 2024
8 von 10
Nutzer klicken nur Ergebnisse der ersten Seite
Sistrix CTR-Analyse 2024
15 %
aller Suchanfragen täglich neu — noch nie gestellt
Google (intern kommuniziert, 2023)
Für ein lokales KMU sind transaktionale und lokale Keywords die produktivste Kombination. Dort ist der Wettbewerb überschaubar, und die Treffer haben direkte Kaufabsicht.
Schritt 1: Sammle deine Basis-Keywords
Starte mit einem einfachen Brainstorming — ohne Tools. Schreib auf:
- Alle Leistungen, die du anbietest (möglichst granular)
- Die Städte und Regionen, in denen du arbeitest
- Typische Fragen, die Kunden am Telefon stellen
- Begriffe, die Kunden benutzen — oft anders als der Branchenjargon
Ein Heizungsbauer in Hildesheim sammelt zum Beispiel: Heizungsinstallation, Heizungswartung, Heizkörper tauschen, Wärmepumpe installieren, Gasheizung reparieren, Heizung defekt, Notdienst. Kombiniert mit Regionen: Hildesheim, Hannover, Alfeld, Peine, Bad Salzdetfurth.
Das gibt sofort 30–50 Rohdaten-Keywords — ohne ein einziges Tool.
Schritt 2: Google Keyword Planner nutzen
Der Keyword Planner ist kostenlos — du brauchst ein Google-Ads-Konto (ohne aktive Kampagne). Im „Keywords entdecken"-Modus gibst du deine Rohdaten ein und bekommst:
- Suchvolumen (monatliche Schätzung, Deutschland, filterbar nach Region)
- Wettbewerb (niedrig / mittel / hoch — basierend auf Ads-Auktionen, aber ein nützlicher Proxy)
- Ähnliche Begriffe, auf die du selbst nicht gekommen wärst
Wichtig: Bei niedrigem Volumen zeigt Google oft „0–10" oder „10–100" statt konkreter Zahlen. Das ist kein Problem — „0 Volumen" bedeutet nicht „0 Suchanfragen", sondern nur „zu klein zum Messen". Das sind oft die wertvollsten lokalen Keywords.
Schritt 3: Google Search Console — was du bereits hast
Wer eine Website betreibt, hat in der Search Console oft schon wertvolle Daten. Der Suchanfragen-Bericht zeigt:
- Für welche Begriffe Google dich bereits zeigt (Impressionen)
- Wie hoch deine Klickrate ist (CTR)
- Auf welcher Durchschnittsposition du landest
Der Goldgriff: Suche nach Keywords mit hohen Impressionen, aber niedriger CTR. Das sind Begriffe, für die du auf Seite 2 oder Position 8–15 rankst. Eine gezielte Überarbeitung dieser Seiten — besserer Titel, stärkerer Meta-Beschreibung, mehr Inhalt — verdoppelt die Klicks oft innerhalb weniger Wochen.
Drei weitere kostenlose Tools
Google Trends — perfekt für saisonale Einblicke. Ein Heizungsbauer sieht sofort, dass „Heizung defekt" im Oktober dreimal so häufig gesucht wird wie im April. Content-Plan und Budget entsprechend anpassen.
AnswerThePublic (kostenloser Tier) — zeigt häufige Fragen rund um ein Keyword als Visualisierung. 3 kostenlose Suchen pro Tag. Ideal für FAQ-Seiten und Blog-Themen.
Google Autosuggest + „Ähnliche Suchanfragen" — unterschätzt, aber schnell. Gib dein Basis-Keyword ein und schau, was Google vorschlägt. „Zahnimplantat" → Google vervollständigt: „Kosten mit Krankenkasse", „Schmerzen wie lange", „Alternativen", „von der Steuer absetzen". Jeder dieser Begriffe ist ein potenzieller Blogartikel.
Was zu vermeiden ist
Keyword-Stuffing — dasselbe Keyword zehnmal auf einer Seite zu wiederholen, war 2005 eine Strategie. Google bestraft das heute. Schreib für Menschen, nicht für Crawler — verwende natürliche Variationen.
Suchvolumen überbewerten — ein Keyword mit 50.000 monatlichen Suchen, das von Amazon und großen Ketten belegt ist, bringt dir als kleines Unternehmen nichts. Ein Keyword mit 80 monatlichen Suchen, für das du auf Platz 1 rankst und das mit hoher Kaufabsicht kommt, bringt dir Aufträge.
Suchintent ignorieren — wer für „Was kostet eine Wärmepumpe" ranken will, braucht einen informativen Artikel mit konkreten Preisbeispielen. Eine Produktseite mit Verkaufssprache rankt dort nicht. Umgekehrt gilt dasselbe.
Zu breiten Fokus wählen — gerade am Anfang: lieber eine Stadt tiefergehend abdecken als fünf oberflächlich. Google bevorzugt thematische Tiefe.
Von der Liste zur Strategie
Eine Keyword-Liste ist kein Ziel, sondern ein Ausgangspunkt. Jedem relevanten Keyword sollte eine Seite oder ein Artikel auf deiner Website entsprechen:
- Transaktionale Keywords → Leistungsseiten (mit Schema.org-Markup, Kontaktformular, Referenzen)
- Informationelle Keywords → Blog-Artikel, FAQ-Seiten
- Lokale Keywords → stadtspezifische Landingpages oder ein optimiertes Google Business Profile
Wie das mit lokalem SEO zusammenhängt, zeigt der Artikel SEO für Handwerker — mit konkreten Zahlen aus 17 Kundenprojekten. Wer die technische Grundlage noch nicht hat, findet im Schema.org-Leitfaden den nächsten Schritt.
Keyword-Recherche ist die Arbeit, die du einmalig machst — und von der du jahrelang profitierst. Zwei Stunden heute zahlen sich aus.
Häufige Fragen
Muss ich bezahlte SEO-Tools wie Semrush oder Ahrefs nutzen?
Wie viele Keywords brauche ich?
Wie erkenne ich, ob ein Keyword zu umkämpft ist?
Was ist Suchabsicht, und warum ist sie wichtiger als das Suchvolumen?
Wie aktuell muss meine Keyword-Liste sein?
Soll ich Keywords mit null Suchvolumen verwenden?
Quellen & weiterführende Links
Sebastian Gawlita
Webdesigner · SEO-Berater für KMU
Seit 2017 betreue ich Selbstständige und kleine Unternehmen bei ihrer Suchmaschinen-Sichtbarkeit. Die Keyword-Strategien in diesem Artikel basieren auf Daten aus über 40 aktiven Projekten in Niedersachsen.