„Welches CMS soll ich nehmen?" ist in 2026 eine deutlich differenziertere Frage als noch vor fünf Jahren. WordPress war lange die Default-Antwort — heute konkurrieren mindestens drei weitere Plattformen seriös um denselben Markt. Dieser Artikel führt dich durch die Entscheidung: mit realen Zahlen, klaren Trade-offs und konkreten Empfehlungen.
Die vier häufigsten Optionen im Marktanteil
43,6 %
WordPress-Marktanteil weltweit
W3Techs April 2026
3,4 %
Webflow-Marktanteil Top 10k
BuiltWith Q1/2026
4,9 %
Shopify-Marktanteil global
Statista E-Commerce Plattformen 2025
+24 %
Next.js-Wachstum 2024 → 2025
State of JS 2025
WordPress ist immer noch Marktführer, aber mit stagnierendem Anteil. Webflow wächst in der Designer-Community, Next.js bei Performance-fokussierten Teams. Shopify dominiert klar den E-Commerce-Raum.
Der Performance-Vergleich
Die Zahlen aus dem HTTP Archive CMS Report zeigen: Statisch generierte Frameworks (Next.js, Astro) liegen im Lighthouse-Median rund 30 Punkte über WordPress-Standard. Webflow und Shopify profitieren von ihrer eigenen Hosting-Infrastruktur und liegen dazwischen.
Die Plattformen im Detail
WordPress — der Klassiker
Stärken:
- Riesiges Plugin-Ökosystem (60 000+ freie Plugins)
- Aktive Community, viele Anleitungen in allen Sprachen
- Flexibel für fast jeden Use-Case
- Günstig im Setup, viele Agenturen verfügbar
Schwächen:
- Performance out-of-the-box mittelmäßig (68 Lighthouse-Median)
- Security-Thematik durch Plugin-Ökosystem
- Wartungsaufwand typisch 6–12 Updates/Jahr
- 5-Jahres-TCO höher als oft angenommen
Ideal für: Inhaltswebsites mit 1–3 Redakteur:innen, Blog-Fokus, Budget unter 5 000 €, wenn laufende Plugin-Abo-Kosten kein Thema sind.
Webflow — der Designer-Favorit
Stärken:
- Visueller Editor mit exakter Design-Kontrolle
- CMS-Funktionalität ohne Code
- Hosting + Design-Tool + CDN in einem Paket
- Performance out-of-the-box gut (89 Lighthouse-Median)
- Keine Plugin-Kompatibilitäts-Probleme
Schwächen:
- Editor-Sprache ist Englisch (kann für Kunden Hürde sein)
- US-Hosting (AWS) — für manche DSGVO-Szenarien problematisch
- Laufende Lizenzkosten (Business-Site 29 $/Monat)
- Begrenzte Backend-Logik (keine Server-seitige Custom-Funktionen)
- Content-Lock-in — Export ist eingeschränkt
Ideal für: Marken-Websites, Portfolio-Seiten, einfache Inhalts-Sites mit hohem Design-Anspruch, deutsche Agenturen mit Designer-Fokus.
Next.js — die Performance-Option
Stärken:
- Beste Performance-Kennzahlen aller hier genannten Plattformen
- Komplette Kontrolle über Design, Technik und Deployment
- Keine Abhängigkeit von Plugin-Anbietern
- Moderner Stack — einfach für Entwickler:innen zu übernehmen
- Flexibel für Headless-CMS-Integration (Sanity, Storyblok, Payload)
Schwächen:
- Setup-Kosten höher (individuelle Entwicklung)
- Erfordert technische Betreuung
- Content-Pflege braucht ein CMS dahinter (Extra-Konfiguration)
- Overkill für einfache Inhalts-Sites
Ideal für: Performance-kritische Projekte, hochindividuelle Designs, B2B-Plattformen mit Custom-Logik, Marken mit Tech-Affinität im Team. Mehr Details im WordPress vs. Next.js Vergleich.
Shopify — der E-Commerce-Standard
Stärken:
- Speziell für Online-Handel optimiert
- Schnell am Markt (initial 2–4 Wochen)
- Umfassendes App-Ökosystem für E-Commerce (Payment, Shipping, Marketing)
- Gute Mobile-UX out-of-the-box
- Skaliert von 10 bis 10 000 Bestellungen/Tag
Schwächen:
- Laufende Kosten (ab 35 €/Monat + Transaktionsgebühr)
- Content-Management weniger flexibel als WordPress
- Design-Anpassungen erfordern Liquid-Template-Kenntnisse
- Plattform-Lock-in bei komplexen Shops schwer zu verlassen
Ideal für: E-Commerce mit 10–2 000 Produkten, standardisierten Checkout-Flows, schnellem Markteintritt. Bei sehr individuellen Shop-Anforderungen kann Shopware DE oder Custom-Stack besser sein.
Die Entscheidungsmatrix
Priorisiere deine Anforderungen, dann lies die Empfehlung ab:
| Deine Priorität | Beste Wahl | Zweite Wahl |
|---|---|---|
| Budget unter 3 000 € | WordPress | Shopify (E-Commerce) |
| Maximale Performance | Next.js | Webflow |
| Komplettes E-Commerce | Shopify | WooCommerce (WordPress) |
| Design-Flexibilität ohne Code | Webflow | WordPress mit Gutenberg |
| Redakteurs-Team > 5 Personen | WordPress | Webflow |
| Tech-Team im Haus | Next.js | Webflow |
| Hosting in Deutschland | WordPress (Mittwald) | Next.js (Mittwald/IONOS) |
| DSGVO-maximal konservativ | WordPress | Next.js |
| Marken-Website mit Storytelling | Webflow | Next.js |
| B2B-Plattform mit Custom-Logik | Next.js | Headless-WordPress |
TCO-Vergleich: Was kostet es wirklich?
Die Zahlen sind realistische Ist-Werte für eine mittelgroße Business-Website (10–15 Seiten) über 5 Jahre:
- WordPress Standard: 2 500 € Setup + 5 × 1 600 € Wartung/Jahr = 10 500 €. Plugin-Lizenzen nicht inklusive.
- Webflow: 3 500 € Design + 5 × 360 € Abo + 5 × 720 € Pflege = 8 900 €
- Next.js + Headless-CMS: 5 200 € Setup + 5 × 140 € Wartung = 5 900 €
- Shopify Basic: 2 000 € Setup + 5 × 450 € Abo + 5 × 630 € Pflege = 7 400 €
Wichtig: Die Zahlen hängen stark von deinem konkreten Projekt ab. Wer mit Shopify 30 kostenpflichtige Apps kombiniert, landet schnell bei 50 €/Monat Zusatzkosten. Wer WordPress ohne Pflege betreibt, kann bei 3 500 € über 5 Jahre landen — bis die erste Sicherheitslücke zuschlägt.
Meine konkreten Empfehlungen
Handwerksbetrieb, Arzt, kleiner Dienstleister mit einfacher Anforderung
→ WordPress mit einem ordentlichen Theme (Kadence, GeneratePress) oder Webflow, wenn Design Priorität ist.
Marke mit Design-Fokus, ohne Entwickler:in arbeiten
→ Webflow — das ist der Sweet Spot.
B2B-Produkt mit Plattform-Charakter (SaaS, Portal, Konfigurator)
→ Next.js (oder ein vergleichbares modernes Framework).
Online verkaufen, 20–500 Produkte, standardisierte Prozesse
→ Shopify Basic — alles andere ist Overengineering.
Hochkomplexer Shop (B2B-Preise, Konfiguratoren, Abos)
→ Shopware 6 (DE) oder Custom mit Next.js + commerce-layer. Shopify stößt hier oft an Grenzen.
Unsicher?
→ 30-Minuten-Call. Ich frage 5 gezielte Fragen und gebe dir eine Empfehlung, die auch wehtun darf.
Mein Fazit
Die Plattform-Wahl ist keine Religionsfrage — sie ist eine Anforderungs-Frage. Jede der vier Optionen ist 2026 eine erwachsene Plattform mit einer großen Community und genug Stabilität für produktive Projekte. Falsch ist fast nur: eine Plattform wählen, weil „man das halt so macht", ohne die eigenen Anforderungen vorher klar gemacht zu haben.
Wer das strukturiert angeht, spart über 5 Jahre oft 2 000–5 000 € gegenüber der falschen Wahl — und vermeidet die typischen Frustrationen, die entstehen, wenn ein CMS nicht zum Business-Modell passt.
Häufige Fragen
Kann ich später die Plattform wechseln?
Welche Plattform ist am schnellsten?
Ist Webflow wirklich eine Alternative für KMU in Deutschland?
Warum kostet Next.js mehr im Setup, aber weniger im Betrieb?
Was ist der Unterschied zwischen Shopify Basic und Shopify Plus?
Sollte ich Headless-WordPress nutzen?
Quellen & weiterführende Links
- W3Techs — CMS Market Share — W3Techs
- BuiltWith — Platform Trends — BuiltWith
- State of JavaScript 2025 — Devographics
- HTTP Archive — Core Web Vitals by CMS — HTTP Archive
- Statista — Führende E-Commerce-Plattformen 2025 — Statista
Sebastian Gawlita
Webdesigner · Stack-Analyse
Ich habe in den letzten 7 Jahren Websites auf allen vier Systemen gebaut — von 500-€-WordPress-Themes bis zu 30 000-€-Next.js-Plattformen. Dieser Vergleich ist aus der Praxis, nicht aus Hersteller-Marketing.