„Was kostet das denn ungefähr?“ ist eine völlig berechtigte Frage. Und die häufigste Antwort der Branche — „kommt drauf an“ — ist zur Hälfte ehrlich und zur Hälfte eine Ausrede. Ja, der Preis hängt vom Projekt ab. Nein, das ist kein Grund, dir keine Zahl zu nennen.
Bei Webdesign habe ich das schon einmal aufgeschrieben: Im Artikel zu den Webdesign-Preisen stehen konkrete Spannen statt Nebelkerzen. Dieser Text macht dasselbe für KI-Automatisierung. Du bekommst echte Preisspannen, eine Erklärung, was den Preis treibt, und die Werkzeuge, um ein gutes von einem unseriösen Angebot zu unterscheiden.
Die Zahlen hier sind die, mit denen ich selbst kalkuliere. Keine Prospekt-Preise, keine geschönten Lockangebote.
Die zwei Kostenarten, die du auseinanderhalten musst
Der häufigste Denkfehler bei Automatisierung ist, nur auf den Einrichtungspreis zu schauen. Eine Automatisierung hat aber zwei Kostenarten, und beide gehören in die Entscheidung.
Einmalige Kosten sind die Einrichtung: Konzept, Aufbau des Workflows, die Anbindung an deine Systeme, das Testen mit echten Fällen. Das ist die Zahl, die in jedem Angebot groß draufsteht.
Laufende Kosten sind das, was jeden Monat anfällt: das Plattform-Abo, die nutzungsabhängigen KI-Kosten und die Wartung. Diese Zahl wird gern verschwiegen, weil sie das glänzende Einrichtungsangebot weniger glänzend macht.
1.500–4.000 €
Einrichtung eines einzelnen, klar abgegrenzten Workflows
eigene Projektkalkulation 2025/26
4.000–12.000 €
mittleres Projekt mit mehreren Schritten und Anbindungen
eigene Projektkalkulation 2025/26
30–160 €
typische laufende Kosten pro Monat (Plattform + KI-Nutzung)
Anbieter-Preise Q1/2026
3–6 Mon.
übliche Amortisation bei sinnvoll gewähltem Use-Case
eigene Projektpraxis
Konkrete Preisspannen 2026
Genug Vorrede, hier die Zahlen. Ich teile Projekte in drei Größen ein.
Einzel-Workflow: grob 1.500 bis 4.000 €
Ein einzelner, klar abgegrenzter Prozess. Zum Beispiel: eingehende Anfragen klassifizieren und ins richtige System weiterleiten, oder automatische Bewertungs-Anfragen nach Auftragsabschluss. Ein Auslöser, eine überschaubare Logik, ein bis zwei Anbindungen. Das ist der typische erste Schritt und der beste Einstieg, weil er schnell läuft und sich schnell amortisiert.
Mittleres Projekt: grob 4.000 bis 12.000 €
Mehrere Schritte, die ineinandergreifen, mit zwei bis drei Anbindungen und echten Verzweigungen. Etwa eine komplette Anfrage-Strecke vom Eingang über Klassifizierung und Antwortentwurf bis zur Übergabe ins Anfrage-System, oder ein Telefon-Assistent mit Kalender-Anbindung. Hier steckt mehr Konzeptarbeit drin, weil die Sonderfälle sauber abgefangen werden müssen.
Individuelles System: ab etwa 12.000 €
Wenn eine eigene Datenbank, eine maßgeschneiderte Oberfläche oder ein Wissensassistent auf deinen eigenen Dokumenten dazukommt, wird aus der Automatisierung ein kleines Software-Projekt. Solche Systeme rechnet man nicht mehr pauschal, sondern nach konkretem Umfang.
Diese Spannen sind Richtwerte für kleine und mittlere Betriebe in Deutschland, nicht für Konzern-Projekte. Wo genau dein Vorhaben liegt, lässt sich nach einem kurzen Gespräch erstaunlich gut einschätzen.
Was den Preis treibt
Warum kostet der eine Workflow 2.000 € und der andere 9.000 €, obwohl beide „eine Automatisierung“ sind? Drei Faktoren erklären fast den ganzen Unterschied.
1. Die Zahl der angebundenen Systeme. Jede Schnittstelle ist Aufwand: verstehen, anbinden, gegen Ausfälle absichern. Ein Workflow, der nur im Postfach arbeitet, ist günstig. Einer, der Postfach, Kalender, Anfrage-System und Buchhaltung verbindet, ist es nicht.
2. Die Menge an Sonderfällen. Der eigentliche Aufwand steckt selten im Normalfall, sondern in den Ausnahmen. „Was, wenn zwei Anfragen zusammengehören?“, „Was, wenn das Datum unklar ist?“ Je mehr solcher Fälle dein Prozess hat, desto mehr Logik braucht es. Ein sauber definierter Prozess ist günstig; das Abbilden von gewachsenem Chaos ist teuer.
3. Die Datenschutz-Anforderungen. Ein Workflow mit unkritischen Daten ist schneller gebaut als einer, der personenbezogene oder gar sensible Daten verarbeitet und dafür self-hosted laufen oder besonders abgesichert werden muss. Das ist kein Aufschlag aus Willkür, sondern echte Mehrarbeit — die sich aber lohnt, wenn du im Ernstfall keine Abmahnung riskieren willst.
Festpreis oder Stunden?
Ein häufiger Streitpunkt. Meine klare Haltung: Bei bekanntem Umfang ist der Festpreis fast immer besser für dich.
Beim Festpreis kennst du die Zahl vorher und kannst planen. Das Risiko, dass etwas länger dauert als gedacht, trägt der Dienstleister — und genau dort gehört es hin, denn er schätzt den Aufwand ein, nicht du. Stundenabrechnung verlagert dieses Risiko auf dich und belohnt im schlimmsten Fall langsames Arbeiten.
Stundenabrechnung ist nur dann fair, wenn der Umfang wirklich offen ist und sich erst im Tun zeigt. Aber auch dann gibt es einen besseren Weg: eine kurze, bezahlte Analyse am Anfang. Sie kostet wenig, schafft Klarheit über den Umfang — und macht aus dem offenen Budget einen Festpreis, mit dem beide Seiten planen können.
Amortisation: rechnet es sich für dich?
Der Preis allein sagt nichts. Entscheidend ist, was die Automatisierung dir zurückbringt. Die Rechnung ist einfach:
Monatlicher Nutzen = (gesparte Stunden × dein Stundensatz) − laufende Kosten
Amortisation in Monaten = Einrichtungskosten ÷ monatlicher Nutzen
Ein Beispiel: Ein Einzel-Workflow für 2.500 € spart 15 Stunden im Monat. Bei einem Satz von 50 € sind das 750 € Nutzen, minus 60 € laufende Kosten bleiben 690 €. Die Einrichtung ist nach knapp vier Monaten drin, danach ist es Plus. Die ausführliche Variante dieser Rechnung samt Beispielen steht in der ehrlichen ROI-Rechnung.
Förderung nicht vergessen
Für Digitalisierungs- und KI-Vorhaben gibt es Förderprogramme von Bund und Ländern. Die Konditionen ändern sich regelmäßig, und nicht jedes Projekt passt — aber wenn es passt, kann ein spürbarer Teil der Einrichtungskosten gefördert werden.
Wichtig: Förderung muss in aller Regel vor Projektstart beantragt werden. Wer erst loslegt und dann nach Zuschüssen sucht, geht meist leer aus. Es lohnt sich also, das ganz am Anfang mitzuprüfen.
Woran du ein unseriöses Angebot erkennst
Zum Schluss die Warnsignale. Lass die Finger von einem Angebot, das eines dieser Muster zeigt:
- Es nennt keine laufenden Kosten, nur den glänzenden Einrichtungspreis.
- Es garantiert eine konkrete Ersparnis, ohne deinen Prozess gesehen zu haben. Niemand kann „spart 70 % Zeit“ versprechen, bevor er weiß, was du heute machst.
- Es drängt auf den großen Wurf statt auf einen ersten, kleinen Workflow. Wer dir sofort das Komplett-System verkaufen will, denkt an seinen Umsatz, nicht an dein Risiko.
Seriös ist das Gegenteil: klein anfangen, laufende Kosten offen nennen, und auch mal sagen „das lohnt sich für dich nicht“. Genau deshalb baue ich Telefon- und Anfrage-Automatisierungen lieber Schritt für Schritt auf — etwa beim KI-Telefonassistenten für Handwerker oder bei der Anfrage-Automatisierung mit n8n und Make.
Fazit: Klarheit ist möglich
KI-Automatisierung muss kein Fass ohne Boden sein. Die Preise sind kalkulierbar, wenn man den Umfang kennt: grob 1.500 bis 4.000 € für einen einzelnen Workflow, mehr für komplexere Projekte, plus überschaubare laufende Kosten. Was den Preis treibt, sind Anbindungen, Sonderfälle und Datenschutz — alles Dinge, die man vorher klären kann.
Wer dir eine ehrliche Spanne nennt, die laufenden Kosten dazu sagt und einen Festpreis anbietet, nimmt dir das größte Risiko ab. Wer nur „kommt drauf an“ sagt, hat es entweder nicht durchdacht oder will dich nicht festlegen.
Wenn du eine konkrete Zahl für deinen Fall willst, schreib mir kurz, welcher Prozess dich Zeit kostet. Du bekommst eine belastbare Spanne nach dem Gespräch und einen Festpreis nach einer kompakten Analyse — kein „kommt drauf an“.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich auf die Frage nach dem Preis immer „kommt drauf an“?
Was ist der Unterschied zwischen einmaligen und laufenden Kosten?
Lohnt sich der Preis überhaupt für einen kleinen Betrieb?
Festpreis oder Stundenabrechnung — was ist besser für mich?
Kann ich Förderung für eine KI-Automatisierung bekommen?
Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot?
Quellen & weiterführende Links
- BMWE — Förderprogramm Digital Jetzt — Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- n8n — Preise — n8n GmbH
- Make — Preise — Make (Celonis)
- Bitkom — Künstliche Intelligenz in Unternehmen — Bitkom e.V.
Sebastian Gawlita
Webdesigner · KI-Integration für KMU
Ich kalkuliere und baue KI-Automatisierungen für kleine Betriebe — meist zum Festpreis. Die Zahlen hier sind die, mit denen ich selbst rechne, nicht aus dem Marketing-Prospekt.